it-sa EXPO&CONGRESS 2026: Rekorde, KI-Agenten, „Grundschutz++“ und der drohende M-Day

Willkommen am Ende des goldenen Oktobers 2026! Wenn sich in der letzten Woche über 33.000 Admins, CISOs, SecOps und Hacker in den Nürnberger Messehallen drängen, ist wieder it-sa-Zeit. Die „Home of IT Security“ hat 2026 alle Rekorde gebrochen: 1.005 Aussteller aus über 70 Ländern und satte 20 % Besucherplus.

Das hieß vor Ort: Volle Gänge, brennende Sohlen, exzellente Fachgespräche und der dringende Wunsch nach einer ordentlichen Messe-Navi-App (liebe Veranstalter, bitte für 2027 unbedingt nachliefern!).

Wir haben uns durch das (digital verfügbare) Gewusel geschlagen, da leider für persönlichen Vor-Ort Termin die Zeit gefehlt hat. Die wichtigsten Tech-Trends, das GS++ BSI-Update und die spannendsten Stimmen von den Messeständen (u. a. von CANCOM) gibt es aber trotzdem schön für euch zusammengefasst.

> Nachtrag 6.11.26
Es gibt mittlerweile auch Videomaterial online, dass Ihr hier abrufen könnt.
Ein paar der Beiträge habe ich auch direkt mit in den Artikel eingepflegt:

Das BSI in Halle 9: Maschinenlesbarer Grundschutz & Zertifikate

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) war auf der Leitmesse massiv vertreten (Halle 9, Stand 519) und hatte gleich mehrere dicke Brocken im Gepäck:

Premiere von „Grundschutz++“ (BSI-Standard 300-1): Die nächste Generation des IT-Grundschutzes setzt auf Automatisierung. Alle Anforderungen sind ab sofort maschinenlesbar in einer Stand-der-Technik-Bibliothek hinterlegt. Das bedeutet: Sicherheits- und Prüfungsprozesse können endlich teilautomatisiert ablaufen, statt im Papierchaos zu versenden.

Zertifikatsregen: Unter anderem durften sich die rhöncloud GmbH, die Stadt Wuppertal und die Kyberio GmbH über frische IT-Grundschutz-Zertifikate freuen. Zudem staubte SUSE gleich drei Common Criteria (CC)-Zertifikate für den SUSE Linux Enterprise Server 15 ab.

Fokus-Themen: Neben dem kommenden Cyber Resilience Act (CRA) standen vor allem OT-Security, Cloud, Zero Trust und der digitale Verbraucherschutz im Rampenlicht. Zudem fungierte das BSI als ideeller Träger des neuen Cyber Thought Leaders Dialogue, der Entscheider aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Militär vernetzt.

KI-Agenten in der Praxis: Einordnung vom CANCOM-Stand

Ein echtes Stimmungsbild der Messe fing die CANCOM.info-Redaktion am Stand in Halle 7A bei einem Gespräch mit Daniel Schmitz ein. Die Kernbotschaft: Die Anfragen sind messbar konkreter geworden.

Wer letztes Jahr noch theoretisch über AI-Security philosophierte, muss heute akute Probleme lösen, da Unternehmen massiv sogenannte Agentische Systeme (AI-Agenten) in Geschäftsprozesse einbinden.

Der „Digitale Mitarbeiter“ braucht Leitplanken

Schmitz bringt einen genialen Vergleich:

„Stellen Sie sich vor, Sie stellen einen neuen Mitarbeiter ein und geben ihm sofort Zugriff auf alle Unternehmensdaten und Admin-Rechte. Das würde niemand tun. Genau so sollten wir aber über Agenten nachdenken: als digitale Mitarbeiter.“

Der Haken: Ein Agent trägt im Gegensatz zum Menschen keine Eigenverantwortung. Er ist darauf programmiert, sein Ziel möglichst effizient zu erreichen. Genau hier lauern die Gefahren:

Der 17-Minuten-Hack: In einer Live-Demo auf der CANCOM LIVE wurde ein entsprechend ausgestatteter AI-Agent mit nur einem Satz losgeschickt: „Bitte hacke diese Maschine.“ Ergebnis? Nach 17 Minuten hatte der Agent das Testsystem kompromittiert, weil ihm niemand technische Grenzen gesetzt hatte. Yay!

Skalierung für Angreifer: Neben unternehmenseigenen Agenten nutzen auch Cyberkriminelle KI massiv, um Angriffswege (Phishing, Code-Erstellung, Reconnaissance) zu automatisieren und parallel zu skalieren. Die fachliche Einstiegshürde sinkt drastisch.

Die richtige Reihenfolge: Wer AI-Security betreibt, fängt nicht beim Produkt an, sondern bei der Transparenz: Inventarisieren, welche AI im Haus läuft, Berechtigungen (Least Privilege) beschränken und Identitäten konsequent absichern.

Die weiteren Top-Trends: M-Day, PQC & NIS2

Der drohende „M-Day“: Zscaler-Experten wie der CISO Christoph Schuhwerk warnten auf der Messe vor dem Tag, an dem frei verfügbare Open-Weight-Modelle das Niveau von High-End-KI-Modellen erreichen. Ab dann stehen hochentwickelte Offensiv-Tools jedem Angreifer offen. Als Antwort setzen Defender zunehmend auf Collective Defense und aktive Täuschung via generativer Honeypots (Decoys).

Post-Quanten-Kryptografie (PQC): Die Sorge vor „Harvest now, decrypt later“-Angriffen treibt Architekten um. Der Umstieg auf quantensichere Algorithmen wandert von der To-Do-Liste in die aktuelle Roadmap.

Regulatorik-Druck: NIS2, DORA und der AI Act greifen ineinander. Es geht längst nicht mehr nur um Strafe vermeiden, sondern um die Aufrechterhaltung der geschäftlichen Handlungsfähigkeit im Ernstfall.

Highlight-Session: Das Publikum als Krisenstab

Ein Mitmach-Highlight war die interaktive Keynote von Prof. Dr. Marco Gercke in einer (Cyber Incident Simulation). Das Auditorium übernahm spontan die Rolle des Managementboards eines gehackten Mittelständlers und stimmte live per Handzeichen ab: Wie kritisch ist der Vorfall? Zahlen wir das Lösegeld?

Das Ergebnis zeigte ein völliges Auseinanderdriften der Meinungen! Der beste Beweis dafür, dass Entscheidungswege und IR-Playbooks vor dem Ernstfall glatt gebügelt sein müssen.

Ausblick & Messe-Lifehacks

Hallen-Expansion 2027: Weil die Hallen in diesem Jahr komplett ausgebucht waren und für Orientierungsprobleme sorgten, reagiert die Messe: 2027 kommt Halle 10 hinzu, flankiert von der neuen it-sa CONFERENCE.

Goodies & CTFs: Wer auf der Messe Hardware abgreifen wollte, musste sich die Hände schmutzig machen. An diversen Ständen liefen CTFs, bei denen YubiKeys oder Badges per Hardware-Glitching erobert werden konnten.

Fazit für die level92.fun Community

Die it-sa 2026 hat gezeigt, dass KI und Automatisierung das Tempo im Cyber-War radikal anziehen. Wer im Bereich Identity Protection, NIS2-Compliance und AI-Governance nicht mitzieht, verliert den Anschluss.