Wer die KW41-Ausgabe vom Oktober letzten Jahres noch in Erinnerung hat: Damals hatte ich über Bayerns Bewerbung für die KI-Gigafactory „Blue Swan“ berichtet
Ein ambitioniertes Projekt mit 100.000 spezialisierten KI-Chips, das als strategisches Gegengewicht zu den etablierten KI-Zentren in Frankfurt und Stuttgart positioniert werden sollte. Als potenzieller Standort war damals auch das ehemalige Kasernengelände der Conn Barracks in Schweinfurt im Gespräch.
Seitdem hat sich einiges getan. Es ist Zeit für ein Update, und was soll ich sagen, das fällt konkreter aus als ich damals erwartet hätte.
Wo stehen wir mit Schweinfurts KI-Rechenzentrum?
Das Projekt ist aus der Gerüchte- und Bewerbungsphase heraus und mitten im deutschen Bürokratie-Olymp angekommen: dem Bebauungsplanverfahren. (Danke nach Berlin für die Erklärung) Was auf den ersten Blick trocken klingt, ist eigentlich ein gutes Zeichen, denn ohne Baurecht passiert gar nichts, und dieses Verfahren läuft.
The Zweckverband „Interkommunaler Gewerbepark Conn Barracks“ der sich um die Konversion des rund 200 Hektar großen ehemaligen Kasernengeländes kümmert, hat in seiner Sitzung vom Oktober 2025 die Aufstellung des Bebauungsplans „Gewerbepark Conn Barracks – Blue Swan“ beschlossen. Seitdem ist einiges passiert:
Januar 2026: Vorentwurf gebilligt, frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung gestartet. Februar 2026: Beteiligungsfrist abgelaufen, Stellungnahmen eingegangen. Im April 2026 dann die Sitzung der Arbeitsgruppe XPLORE. Juni 2026: Die eingegangenen Stellungnahmen wurden in der Zweckverbandssitzung vom 18. Juni behandelt, abgewogen und in den überarbeiteten Entwurf eingearbeitet. Der Bebauungsplanentwurf in der Fassung vom 11. Juni 2026 wurde gebilligt. Das Amtsblatt der Regierung von Unterfranken veroffentlichte dazu am 26. eine Bekanntmachung.
Und jetzt das Entscheidende: Ab dem 29. Juni 2026, also ab heute liegt der Entwurf zur öffentlichen Auslegung aus. Die Beteiligungsfrist läuft bis zum 31. Juli 2026. Wer Einwände oder Anmerkungen hat, kann diese bis dahin einbringen. Die entsprechenden Unterlagen finden sich alle beim Landkreis Schweinfurt.
Einfach auf der Seite runter scrollen und ihr findet den aktuellen Stand sperrig versteckt hinter Links wie diesem: Veröffentlichung der Bekanntmachung über die Durchführung der Beteiligung der Öffentlichkeit öffentlichen Auslegung gemäß § 3 Abs. 2 BauGB sowie der Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange gemäß § 4 Abs. 2 BauGB für den Bebauungsplan „Gewerbepark Conn Barracks – Blue Swan”.
Ein Prosit auf die deutsche Bürokratie! Immerhin ist der Ausshang nicht im Planungsbüro des Bauamts auf Alpha Zentauri. 😉
Sidenote: Während in Villabajo noch geputzt wird, feiert Villarriba schon, denn in Erlangen sind wir schon weiter:
Der Freistaat Bayern baut seine KI-Infrastruktur generell bereits massiv aus und schafft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) die bisher größte KI-Rechnerinfrastruktur in der deutschen Hochschullandschaft.
Die wichtigsten Details zum Ausbau in Erlangen:
Erweiterung um 1.024 NVIDIA-Prozessoren: Durch eine neue vertragliche Partnerschaft mit NVIDIA wird das Nationale Hochleistungsrechenzentrum Erlangen (NHR) unter der Leitung von Prof. Gerhard Wellein mit 1.024 neuen Hochleistungsprozessoren (GPUs) ausgestattet.
Massive Rechenpower: Zusammen mit dem bestehenden Bestand werden dem neuen bayerischen KI-Basismodell in Erlangen künftig rund 1.400 GPUs exklusiv zur Verfügung stehen, perspektivisch soll die Zahl sogar auf bis zu 1.700 GPUs ansteigen.
Finanzierung: Der Freistaat Bayern investiert allein in diese Infrastruktur 54,5 Millionen Euro und leistet damit die finanziell größte Investition eines Bundeslandes in diesem Bereich.
Zeitplan & Umsetzung: Die technische Umsetzung erfolgt gemeinsam mit dem Partner Megware die bereits den Bau von FRITZ und ALEX begleitet haben. Ab Herbst 2026 sollen die Entwicklerteams exklusiv auf die erweiterten Kapazitäten zugreifen können, wenn alles klappt.
Hintergrund und Ziel des Projekts: Die enorme Rechenleistung in Erlangen bildet das Fundament für die Entwicklung der sogenannten „Blue Swan“-Plattform. Dabei handelt es sich um ein eigenständiges, vertrauenswürdiges und multi-modales KI-Basismodell für zentrale Anwendungsfelder wie Gesundheit und Robotik. Das Projekt ist als Open-Source-Modell angelegt, um auch externen Partnern die Mitwirkung zu ermöglichen.
Was das bedeutet: Noch ist nichts final sicher.
Klar: Ein laufendes Bebauungsplanverfahren bedeutet für Schweinfurt noch kein eigenes, gigantisches KI-Rechenzentrum. Zwischen öffentlicher Auslegung und erstem Spatenstich liegt erfahrungsgemäß noch eine Menge Weg: Weitere Abwägungsrunden, mögliche Einsprüche, Satzungsbeschluss, Erschließungsplanung. Weisste Bescheid: Dit ist keen Sprint, dit ist Marathon!
Aber immerhin: Das Projekt ist real. Es hat Verfahrensschritte durchlaufen, es hat einen Zeitplan, und es gibt eine Struktur (den Zweckverband), die sich aktiv darum kümmert. Das ist mehr als viele andere Projekte dieser Größenordnung vorweisen können, die oft nicht über die Pressemitteilungsphase hinausgekommen sind.
Parallel läuft übrigens noch ein zweites Verfahren für den „südlichen Teil“ des Geländes, der als klassisches Gewerbegebiet (GE) entwickelt werden soll. Soweit ich das verstehe auch unabhängig von Blue Swan und ohne Änderung der Flächennutzungspläne, weil die Gemeinde Geldersheim das entsprechend bereits ausgewiesen hat.
TL:DR
Update zu Blue Swan: Das geplante KI-Rechenzentrum auf den Conn Barracks bei Schweinfurt nimmt langsam Form an
Damals im Oktober hatte ich noch gefragt, ob Schweinfurt/Bayern eine realistische Chance hat, sich gegen Frankfurt oder andere etablierte Standorte durchzusetzen. Die Antwort auf diese Frage steht noch aus aber zumindest der lokale Teil des Puzzles wird gerade aktiv zusammengesetzt. YAY!
Für die Region wäre Blue Swan ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Das Gelände der Conn Barracks war nach dem Abzug der US-Streitkräfte eine „offene Wunde“ im Stadtbild von Schweinfurt: 200 Hektar Fläche, die seit Jahren auf ihre Nachnutzung warten. Ein KI-Rechenzentrum dieser Größenordnung wäre nicht nur technologisch interessant, sondern auch ein echter Standortgewinn für eine Region, die sich nicht nur seit dem Ende der Kasernen sondern auch der aktuellen Krise der Automobilzulieferer hier in der Region dringend neu erfinden muss.
Ich behalte das Projekt im Auge. Wenn sich nach der Auslegungsfrist Ende Juli Neues ergibt, gibt es hier ein weiteres Update.